Über die Gründung des Vereins im Jahr 1855 gibt es leider keinerlei schriftliche Nachweise. Aus mündlicher Überlieferung ist jedoch bekannt, dass Heinstetter Musikanten sehr oft in Nachbarorten spielten, als zu jener Zeit noch sehr wenige Musikvereine in der Gegend bestanden. Ein schriftlicher Nachweis aus Rechnungsbüchern im Archiv der Ortschaftsverwaltung Heinstetten, in dem der Musikverein erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1876. Bei Nachforschungen anlässlich der 1200-Jahr-Feier wurde ein Dokument aus dem Jahr 1791 gefunden, aus dem hervorgeht, dass an Fronleichnam, 18. Juni 1791, Musikanten gespielt haben. Im Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr Heinstetten ist zu lesen, dass bei ihrem ersten Feuerwehrfest am 23. Juli 1899 unter den Klängen des Musikvereins die neue Fahne zur Weihe getragen wurde. Die Zeit von 1876 bis 1932 ist sonst nur aus mündlicher Überlieferung bekannt. Der ehemalige aktive Musikant und Ehrenmitglied Reinhard Drissner erklärte im Oktober 1979 eidesstattlich, dass er selber 1912, sein Vater und seine Brüder schon im Jahr 1905 bei der damaligen Musikkapelle öffentlich gespielt haben. Sein Vater bestätigte ihm, dass in Heinstetten schon 1876 der Musikverein bei kirchlichen und weltlichen Anlässen gespielt habe. Das erste, noch vorhandene Protokollbuch beginnt am 15. Mai 1932. An diesem Pfingstsonntag fand eine Versammlung statt, bei der sich die damals „drei“ bestehenden Musikkapellen zusammenschlossen. Erster Vorstand wurde Emil Löffler, Dirigent Reinhard Drissner. Die Gründungsfeier dauerte bis zum Mittag des Pfingstmontag und wurde mit einer Musikprobe beendet. Im Jahr 1933 wurde Dirigent Reinhard Drissner durch Josef Drissner abgelöst. Er leitete den Verein bis 1936. Danach übernahm Josef Braun den Dirigentenstab bis zum Beginn des 2. Weltkrieges, aus dem er nicht mehr zurückkehrte. Während dieser Zeit herrschten auch schon klare Regeln im Verein. Wer unentschuldigt in der Probe fehlte oder zu spät kam, musste Strafe bezahlen. Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen bedeutete den Ausschluss aus dem Verein. Gespielt wurde bei allerlei kirchlichen und weltlichen Anlässen. Die Einnahmen die man z.B. beim Hochzeitspielen machte, wurden teilweise an die Musikanten ausbezahlt, der Rest kam in die Vereinskasse. Mit Kriegsausbruch im Jahr 1939 endet das erste Protokollbuch und damit jeder weitere schriftliche Nachweis bis zur Wiedergründung im Jahr 1954. Der Krieg hatte jegliches Vereinsleben gestört, viele Musikanten wurden eingezogen und mussten auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen. Als 1945 die französische Besatzungsmacht in Heinstetten einzog, wurde jeder Organisation ein Ende gesetzt und viele Instrumente von den Alliierten eingezogen. Trotz aller Widernisse hatten sich bald wieder zwei Gruppen gefunden, die Blasmusik machten.

Am 3.April 1954 erfolgte bei einer Versammlung der Zusammenschluss. Zum ersten Vorstand wurde Alois Gomeringer gewählt, den Taktstock übernahm Norbert Drissner. Die junge Musikerschar arbeitete mit viel Idealismus, zeitweise wurden drei Proben in der Woche abgehalten. Schon ein Jahr später wurde mit einem Fest vom 04.-06.Juni 1955 das 100-jährige Jubiläum gefeiert. Kurz darauf präsentierte man sich bei einem Auftritt in Meßstetten erstmals in neuer Uniform. Auf Bemühen der Vorstandschaft wurde der Verein im Mai 1955 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Meßkirch eingetragen und trägt seither den Namen „eingetragener Verein“. Im Jahr 1957 erfolgte ein Dirigentenwechsel, als Norbert Drissner sein Amt zur Verfügung stellte. Nachfolger wurde der aktive Musikant Robert Raiber. Er entwickelte großes Engagement, besuchte Dirigentenlehrgänge, erweiterte das Repertoire und führte den Verein mit Erfolg zu einigen Wertungsspielen.

 

Musikverein 1955